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Das Prinzip verum factum: seine theologische Prämissen bei Nikolaus von Kues

Научная статья

Логика и философия

Das Prinzip €œverum/factum€: seine theologische Prämissen bei Nikolaus von Kues Die Tatsaechlichkeit der Wahrheit ist heutzutage etwas das von sich selbst verständlich ist. Dass die Wahrheit gewissermaßen erzeugt wird sagt man seitdem als am Morgen der Philosophie klargestellt war dass obgleich die Wahrheit von sich selbst existiert ihre Stellung doch in der Sprache in dem Urteil von der Wahrheit ist. Das bei uns vom Latein ankommende €œFaktum€ hat vor langer Zeit der ...

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2016-09-07

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Das Prinzip “verum/factum”: seine theologische Prämissen bei Nikolaus von Kues

Die Tatsaechlichkeit der Wahrheit ist heutzutage etwas, das von sich selbst verständlich ist. Dass die Wahrheit gewissermaßen erzeugt wird, sagt man seitdem, als am Morgen der Philosophie klargestellt war, dass, obgleich die Wahrheit von sich selbst existiert, ihre Stellung doch in der Sprache, in dem Urteil von der Wahrheit ist. Das bei uns vom Latein ankommende “Faktum” hat vor langer Zeit der Unterschied zwischen “Tatsaechlichkeit” und “Wirklichkeit” ausgeloschen, um so mehr die letzte sowohl in Griechisch als auch in Latein mit der “Aktion” verbunden ist. Wir sagen: “Tatsachen lassen sich nicht leugnen”, aber die Philosophen erinnern ständig daran, dass die Fakten keine uns gerade und unmittelbar gegebene Wirklichkeit, sondern etwas von uns Vermitteltes und in dieser Bedeutung von uns “Gemachtes” ist. Der erste, der in der Neuzeit von der paradoxen Koinzidenz des “verum” und “factum”, das Wahre und das Gemachte, sagte, war Vico, der in dieser die Grundlage seiner “Neuen Wissenschaft”, und eigentlich des ganzen Neueuropäischen Wissens sah. Einst hat Karl Lövit von Vico einen kleinen Artikel geschrieben – von den theologischen Prämissen seines Prinzips verum-factum, und dessen säkularen Konsequenzen, - damals sprachen alle von Vico anlaesslich seines dreihundertjährigen Jubiläums1. Unter denjenigen, die in Vico ihren Vorgänger gesehen haben, waren Croce, Marxisten, die Vertreter der philosophischen Hermeneutik... Karl Otto Apel in seinem Buch “Die Idee der Sprache in der Tradition des Humanismus von Dante bis Vico” (Bonn, 1963) behauptete, dass Benedetto Croce, der die Quellen von Vicos Grundsätze suchte, den wichtigsten Vorgänger Vicos nicht erwähnt habe. Dieser Vorgänger ist Nikolaus von Kues. Also, fragen wir uns, ob er recht hat? Gab es dieses Prinzip in der Tat bei Cusanus?

Damit das erwähnte Prinzip – verum-factums Konvergenz - heute einen wichtigen Platz in der modernen Philosophie eingenommen hat, musste eine radikale Umwandlung der ganzen traditionellen Metaphysik  geschehen. Was fuer Umwandlungen waren es, welchen Sinn Vico in seine Formel hinlegte, und welches Verhältnis – wenn es wirklich war – zu dieser Formel Nikolaus von Kues hatte, gerade darin besteht das Thema meines Berichtes.

Es kommt darauf an, dass die Aeusserungen von Vico und Kues zum Thema verum und factum einen ganz verschiedenen Sinn haben. Ob es ueberhaupt moeglich ist, in diesem Fall von einer Nachfolge zu sprechen? Den Schluessel meines Berichtes vorwegnehmend, moechte ich sagen, dass eine beliebige Tradition einen Bruch der Kontinuitaet voraussetzt.

Es ist interessant, aber Benedetto Croce fand in der Scholastik keine These über die Koinzidenz des verum und factum, die im Gott vorhanden sein sollte. In der Tat, wenn die Theologen von der Konvergenz einiger Begriffe sprachen, handelte es sich in der Regel um die Transzendentalien: d.h. im Unterschied zur Kantischen Bedeutung des Terminus um die höchsten Gattungen des Seiendes. Also, wenn man das Seiende sagt, so meint man gleichzeitig  das Eine, das Gute und das Wahre und s.w. Ens et unum, et bonum et verum convertuntur (oder reciprocantur). Es gibt doch kein factum unter den Transzendentalien.

Dafuer existiert die Grundthese der mittelalterlichen Ontlogie, nach der das Wesen und die Existenz in Gott ein und dasselbe sind, aber in der geschoepften Welt sind sie nicht ein und dasselbe. Gerade diese Differenz des Wesens und der Existenz (substantia et existentia) wurde zum Grund der Lehre von Cusanus. Aber bei ihm bekam sie eine besondere Form - Koinzidenztheorie, das Kernelement seiner Betrachtungsweise. Die Koinzidenztheorie schliesst nicht das aristotelischen Widerspruchprinzip aus, wie man manchmal meint, sondern begrenzt es. Die Notwendigkeit in einer solchen Begrenzung entstand damals, als die Theologen in der Zeit der Patristik, indem sie die Frage ueber die Moeglichkeit der Verwendung der aristotelischen Kategorien im Verhaeltnis zu Gott stellten, beschlossen, dass Gott ist die Substanz (gr.οθσια, lat. Substantia), die hoeher als die Substanz ist. Gott existiert ueberall und nirgend, zu jeder Zeit und ausser Zeit. Im Ramen des christlichen Neoplatonismus (Dionysius Areopagita) wurden dem Gott die ontologischen Eigenschaften des Einen zugeschrieben.

Nach Cusanus, ist das Eine nur dadurch unendlich, dass es zugleich auch das Viele ist. Gott ist fuer Nikolaus Einfaltung (complicatio) der Welt, die Welt Ausfaltung (explicatio) Gottes. Diese philosophische Sprache soll spaeter Gottfried Wilhelm Leibniz sprechen, den Vico gelesen und geehrt hat. Er nannte den deutschen Denker “den ersten Geist seines Zeitalters”. Es soll aber eine andere Zeit sein.

Sehen wir mal, was Cusanus ueber verum und factum sprach. Nehmen wir, zum Beispiel, das Traktat von Cusanus “De visione dei” („Von der Gottesschau”, in anderer deutsche Ausgabe “Das Sehen Gottes”). Es gibt auch viele andere Werke von Cusanus, wo man die Spuren dieses Prinzips finden kann.

Visio Dei ist eine Übung in der Frömmigkeit (praxis devotionis: .. per quandam praxim devotionis in mystica propono elevare Theologia. Praefatio). Der Mentor schickt den Brüdern die Ikone und die Schrift, um die Brüder die Frömmigkeit durch die Übung im Schauen Gottes zu belehren. Die Übung besteht in der üblichen Prozedur «der Wendung des Blickes» - von sichtbarer Gestalt zum Schauen des selben Schauenst. In diesem Fall bekommt «die Wendung des Blickes» einen eigentlichen (bzw. buchstäblichen) Sinn: die Brüder sehen die Ikone und es scheint ihnen, dass die Ikone sieht, dass sie jedem mit dem Blick folgt. Genitivus dei (visio dei) bekommt den sichtbaren Ausdruck der beiden Sinnbedeutungen: Genetiv des Objektes des Schauens und Genetiv des Subjektes des Schauens: die Brüder sehen Gott und Gott sieht sie. Aber Cusanus beeilt sich hier zu bestätigen, dass diese Scheinbarkeit (apparentia) wahr ist. Sie öffnet den wahren Sinn des Schauens, denn jedes Schauen ist letztlich das Schauen Gottes.

Die Brüder sehen an der Ikone das Gesicht: sie sehen sich selbst im göttlichen Spiegel (wie sie auf Gott schauen, so sehen sie Gott). Diejenigen, die sich selbst  im göttlichen Spiegel sehen, sind die Spiegel Gottes, auf die Gott selbst schaut. Nikolaus übt die Brüder „in sich selbst zu kehren“, d. h. in «Vollkommenheit ihrer Gattung (specus)“.“Die Gattung“ ist gleichzeitig “die Vollkommenheit der Gattung» und ihr Rätsel. Man sieht “die Gattung” nicht, man kann nur ein Individuum sehen, das zur Vollkommenheit seiner Gattung gehört. Die Gattung ist für Platoniker gerade die Vollkommenheit, weil die Gattung in sich selbst alle zu ihr gehörenden Individuen zusammenrollt.  Die unsichtbare Gattung kann man in einem Individuum unsichtbar sehen. Seine Gattung zu sehen und sich selbst zu werden, ist für das rationale Wesen ein und dasselbe. Der Aufruf von heiligen Augustinus - noli foras ire – fordert von einem Christen seinen Blick auf seine Seele zu richten, die die Gestalt der Dreieinigkeit ist, wenn sie auch unendlichweit vom Himmelsvorbild entfernt ist.... Die ganze Natur ist für einen christlichen Platoniker nur die Treppe der Vollkommenheiten. Jede nächste Stufe rollt in sich selbst (complicat) alle vorherigen zusammen. Der Schöpfer, der ausser der Welt ist, rollt in seiner absoluten Einfachheit alles zusammen. Er ist über Grenzen und ebendeshalb ist er in Allem. (Video in hac picta facie figuram infinitatis, c. XV). Omnia in omnibus – wiederholt Nikolaus nach Bonaventura (Itinerarium mentis in deum, V). Auf dieser Treppe muss man auf seine Stufe steigen und nur so bist du auf dem Wege zum Gottes.

Cusanus  erklärt den Bruedern nicht, dass Gott die höchste Vollkommenheit sei, weil das fuer sie selbstverständlich ist. Er lert sie vor „der Wand des unsichtbaren Schauens“, vor „der Wand der Koinzidenz der Gegensätze“, hinter der Gott bewohnt, sich nicht zu verlieren (oportet igitur me Domine, murum illum, invisibilis visionis transilire). Die Brüder müssen nur lernen, dass seine visio gleichzeitig  visio Dei ist, und mit Hilfe von visio lässt sich Gott nicht nur etwas sehen, sondern auch haelt sie ueber dem Abgrund des Nichtseins. Und dann wird Gott in silentio contemplationis (im Schweigen der Betrachtung) ihnen alles öffnen, was Er schon fuer Nikolaus geöffnet hat, der das Geoeffnete in seiner Schrift dargestellt hat.

Also, es handelt sich in “De visione Dei” um visio absoluta. Das absolute Sehen (das absolute Schauen) schliesst in sich alle anderen Schauensweisen. Visio Dei creare est, das Schauen Gottes ist gleichzeitig das Schoepfen der Dinge. Es ist ein Gewerbe, Segen und ein ewiges Leben (cap.IV). Es ist auch ein Suchen, eine Barmherzigkeit und eine Aktion (cap.V). Verum und factum bei Cusanus stimmen ueberein. Und diese Uebereinstimmung wird im Rahmen der Traditionen von christlochen Platonismus verwirklicht. Die Schrift, wie auch ganzes Cusanusschaffen, gehoert follig zur Tradition des christlichen Platonismus.

Yetzt zwei Woerter ueber Vico.                                                          

Wie verstand Vico selber diese Koinzidenz des verum mit dem factum. Mit seiner Ablehnung der cartesischen Philosophie, mit der Strebung, auf die Alten sich zu stützen, mit einer Wendung zu dem, was andere Aufklärer wie die Sammlung der Vorurteile betrachten wuerden – zu den Sagen und der Folklore, – und noch mehr mit selber Manier des Schreibens und der Komposition seines Hauptwerks, trug Vico zur Entstehung der Gestalt eines Polyhistor bei. Dieser Gelehrte sass in seiner tiefsten Provinz und erklaerte auf eigene Art Nachrichten ueber die Erfolge der europäischen Wissenschaft. Teilweise war es gerade so.

Die Vicos Interessen lagen im Gebiet des historisch konkreten und nach seiner Terminologie “philologischen” Materials. Der Gegenstand seiner Wissenschaft – die Natur der Nationen – diktierte die Wendung zu den Sprachen, Glauben, Mythen, Ritualien und s.w. Dieses ganze Material hat Vico mit der Hilfe der von ihm selbst erfundenen “neuen kritischen Kunst” bearbeitet. Letzten Endes, sollte bei ihm die Wissenschaft selbst zum “neuen” werden, zum neueuropäischen nach ihrem Wesen und nicht nur nach ihrem Titel: das sollte die Wissenschaft von allgemeiner Natur der Nationen sein.

Das ist ein völlig aufklärerisches Programm, obwohl Vico als Aufklaerer eigentuemlich war.

In seinem Traktat “Ueber die altertuemliche Weisheit von Italiener, die aus den Anfangen der lateinischen Sprache gezogen ist” meldet Vico ueber seinen Wunsch der “Methode” des “Crathylus” zu folgen, d. h. den Anfang der Sprache aus den philosophischen Doktrinen nicht abzu leiten, wie, nach seiner Meinung, die antiken und Renaissanceautoren machten. Aber man muss die Weisheit der Alten erreichen, untersuchend den Ursprung der Woerter. Wollen wir bemerken, dass Vico folgte der Methode von “Kratylus”, aber endlich hat Plato diese Methode abgelehnt. Er sagte, dass man die Wahrheit nicht in Benennungen, sodern in den Sachen finden muss. (Crat. 436-439b).

In diesem Vicos Traktat entdecken wir keine Spuren der ausführlichen etymologischen Arbeit. Haupsaechlich fuer Vico: dem Gelehrten zu errinern, dass im lateinischen Sprache die Woerter “verum” und “factum” oft ein statt des anderen gebraucht wurden; also das Wahre und das Gemachte ein und dasselbe sind. Folglich ist ein wahres Wissen einer Sache nur dem erreichbar, wer diese Sache gemacht habe. Die lateinische verum und factum, wie schreibt Vico, stimmen überein (reciprocantur), oder, wie sagt es „die Schulsprache“, sie fallen zusammen (convertuntur). Das ist das berühmte Prinzip “verum et factum convertuntur2, eine Grundlage seiner Wissenschaft.

Die menschliche Wissenschaft ist, wie es Vico bestätigt, ein Kind der Unvollkommenheit unseres endlichen Verstandes, und sie ist nur dank dem Bewusstsein dieser Unvollkommenheit geboren. Verum und factum koinzidieren absolut nur im Gott, weil er der Schöpfer des ganzen ist; in unserem Verstand naehern sie sich nur, aber niemals fallen zusammen; der Gegenstand unserer Erkenntnis ist niemals von uns völlig gemacht. Die menschliche Erkenntnis vollzieht sich notwendig mittels der Abstraktion, d. h. mit der künstlichen Zergliederung der natürlichen Sachen3, denn ihre wirklichen Anfangen befinden sich im Gottesverstand.

So kann man den Körper einzeln von der Seele betrachten, man kann die Seele in den Verstand und den Wille teilen, der Körper, bzw., in die Figura und die Bewegung... Diese Operation der Zergliederung der natürlichen Sachen, die dadurch ihre Erkenntnis ist, ist ähnlich einer gewöhnlichen anatomischen Operation: anstatt einer lebenden Sache haben wir vor uns eine zergliederte, eine Leiche. Doch hat die Wissenschaft keinen anderen Weg. Ein Mensch, der nach der Wahrheit strebt, deren völliges Erkennen ihm mit seiner Natur verboten ist, verwandelt, sozusagen, die Not in die Tugend: er begründet das Universum der Wissenschaften, unter denen die Arithmetik und die Geometrie am nützlichsten sind, weil sie die Mechanik, die Mutter aller Künste, zur Welt bringen.

Aber die Mathematik selbst ist nur darum möglich, weil der Mensch zwei wunderbare Sache ausgedacht hat: einen Punkt, der keine Ausdehnung hat, den man doch „ausdehnen“ kann: mit diesem Punkt kann man die Linien und die Figuren zeichnen; und eine Eins, die man „multiplizieren“ kann. Die beiden sind die Fiktionen, wie sagt es Vico, weil der gezeichnete Punkt keiner Punkt ist, und die zu multiplizierende Eine schon nicht Eins, sondern das neoplatonische Eine ist. Wenn wir mit dem Punkt die Linien, Flaechen und Figuren zeichnen, schöpfen wir aus den von uns selbst gemachten Elementen oder Uranfangen eine fiktive Welt, die doch der realen Welt ähnlich ist: wir rekonstruieren also das Universum; und ebenso berechnen wir die Welt mit Zahlen und machen sie als mathematische Welt. Weil sich alle Elemente dieses von uns geschaffenen Universum in unserem Verstand befinden, ist unser Wissen dieser Welt streng beweiskräftig. “Wir beweisen in der Geometrie, weil wir selbst sie schaffen...” 4 Merken wir uns, dass Gobbs die Beweiskraft der Geometrie genau gleichfalls verstand5.

Das interessanteste und vorbildlichste in “De Antiquissima” ist Vicos Gedankengang ueber die “metaphysischen Punkte”, die er auch “conatus” nennt. Das ist die Sprache von der Leibniz “Monadologie”. Vico bezieht diesen Begriff auf die Zenons Schule. Ausgehend vom Sinn der lateinischen Woerter “essentia, vis, potestas”, schreibt Vico, kann man sagen, dass der metaphysische Punkt ist ein Vorbild und Moeglichkeit das Unteilbares als eine Groesse, und eine Potenz wie eine Bewegung sich vorstellen6.

Vico verratet sich völlig als ein neueuropäischer Denker, als sagt, dass Pythagoras und seine Schüler nicht meinten, dass die Sachen wirklich aus den Zahlen bestehen. Sie versuchten nur die Umwelt mit der Hilfe der Innerwelt zu erläutern. Und das ist eine Position des neueuropäischen Denkers, auf keinen Fall des antiken oder mittelalterlichen. Das ist eigentlich eine Kritik des Verstandes.

Vicos  Metaphysische Punkte sind „vernünftige“ Stellen, in denen auf eine unfassbare Weise das Intelligible und das  anschaulich Vorstellbare, verum und factum, die Wahrheiten der Vernunft und der Tatsache, oder - so Vico schon in „Der Neuen Wissenschaft“: „eine  geheime Weisheit und eine volkstümliche Weisheit“ zusammenkommen, ohne übereinzustimmen. Die Doktrin der metaphysischen Punkte als eine Exposition des Prinzips „erkennen – erzeugen“ ist eine Methode der ideellen Rekonstruktion des Erkennbaren - eines Zusammenrollens eines Dinges oder einer Erscheinung in einen metaphysischen Punkt eines Anfangs und eines kontrollierbaren Auseinanderrollens dieses Punktes in ein physisches Bild der Welt, in dem die beschriebene Erscheinung ihren gesetzmäßigen Platz nimmt. Diese Implikation-Explikation kann jeder wiederholen, das Wissen wird also verifizierbar. So ist Vicos Variante dessen, was man eine neueuropäische Wissenschaft des Scheines nennen kann, in der das überlieferte antike und mittelalterliches  „Wissen der Ursachen“ zum Wissen des Verfahrens der Erzeugung eines Dinges reduziert ist. Die Richtigkeit dieses Wissens wird mit dem Preis einer Reduktion erworben, einer bewussten Reduktion einer Erscheinung (eines Dinges) zum  Verfahren ihrer (seiner) Erzeugung. So erklärt sein Prinzip der neapolitanische Denker. Man muss also zugeben, dass Vico ein Sohn seiner Zeit ist, der Zeit der Aufklärung. Er begründet metaphysisch gerade eine neueuropäische Wissenschaft  und -  was besonders merkwürdig ist – ihre humanitäre Version. Und nicht zufällig erinnern seine conatus an die metaphysischen Punkte von Leibniz, und „die zusammenkommenden Wahrhafte und Erzeugte“ – an die Wahrheit der Vernunft  und die Wahrheit der Tatsache. Vico ist ein Philosoph eines horizontalen Welt-Bildes, in das die vorherige – antike und mittelalterliche vertikale Welt der Hierarchie  der Substanzen auseinandergerollt worden ist. Was hat damit Nikolaus von Kues zu tun?

Nikolaus entwickelt theologische Grunde der wahren Erkenntnis als den Weg zur Weisheit. Vico verwandelt sie in das rein gnoseologische Prinzip der Begruendung der Wissenschaft vom neueuropaeischen Typ. Solche Wissenschaft heisst heute die Kulturologie. Eine und dieselbe Formel – verum und factum convertuntur – bekommt einen anderen Sinn in verschiedenen Kontexten. Bei Kusanus  ist es ein Einzelfall coincidencia oppositorum, bei Vico – eine metaphysische Methode der Begründung der Richtigkeit der Wissenschaft, deren Anspruch auf die Wahrheit mit der Selbstkritik der Vernunft verknüpft ist.

Die belehrte Unwissenheit, deren Autor der Bischof aus Cues war, ist das Ueben in der Froemmigkeit im obenbemerkten Sinn. Die belehrte Unwissenheit von Nikolaus war und bleibt die traditionelle Metaphysik, die Doktrin der metaphysischen Stellen oder die Lehre ueber die Hierarchie von Seienden.

Es sei bemerkt, dass Vico bei seinen Besonderheiten und Extravaganzen neueuropaeisch denkt. Er ist der neueuropaeischer Pholosoph. Seine Metaphysik ist die Methode der Begruendung der Kulturologie, die fuer ihn hoechst glaubwuerdig ist.

Nachtraeglich wird das Prinzip coincidentia oppositorum so etwas wie die metaphisische Grundlage der Galileos Mechanik oder Vicos “Neue Wissenschaft”. Das ist kein Fehler und kein Mißverständnis. Gerade der Rueckblick auf die alten Doktrinen der anderen Welt endeckt ihre verborgene Moelichkeiten. In der Tat, wenn Gott, d.h. die aktuelle Unendlichkeit, sieht auf dich aus jeder endlichen Sache, wie ein ein ihre wahres Mass, werden die Stufen der Welttreppe schwankend...

Aber es ist nicht richtig Cusanus  für direkten Präkusor der Mathematik und Metaphysik der Neuen Zeit (wie so Leibniz, Viko und  um so mehr Gegel) zu halten.

                                                ***

Der Mensch macht sich selbst, sagt Vico, als der Regel des Weltalls dort, wo sein Verstand von der Unkenntnis verloren geht. Wann er es versteht, beginnt eine neue Epoche.  Woher erfahren wir ueber die verschiedenen Epochen?

Von der lebendigen, von uns nun zu erlebenden Erfahrung der epochalen Verschiedenheiten. Und wir bekommen diese Erfahrung gleichen im Faelle, wenn der Sinn der einen und derselben Ausdruecke vor unseren Augen zu verdoppeln beginnt. Verum-factum bei Vico bedeutet ein, sein wörtlicher Analog bei Cusanus bedeutet ganz anderes.

Also wir reißen nachträglich die Linie von der neueuropäischen Mathematik und Mechanik zum Autor der “Gelehrte Unwissenheit” und sehen: ja, natürlich, er hat Gründe gelegt, die Voraussetzungen geschaffen. Vielleicht sind wir zu viel in der “ununterbrochenen Geschichte” eingesunken. Und dieser rückschauende Blick auf seine Konzeption entdeckt einen Abgrund, der Cusanus von Vico und die beiden von uns abtrennt. Und dann entsteht eine Frage: wie existiert eine Tradition?  Ob sie etwas welk ziehendes sich von der Vergangenheit in die Zukunft ist, oder gründet sie sich immer jetzt, nachträglich? Ob sie die Begebenheit selbst der Zeit und die Artikulation der Welt ist?

Wenn das letzte richtig ist, so ist Nikolaus von Kues eine von denen, auf wen die Philosophen im XX Jahrhundert als seinen Vorgänger gezeigt haben. Man sich erinnerte spaeter an Vico...

1 Croce B. Le fonti della gnoseologia vichiana. Atti della Academia Pontaniana. Vol. XLII, ser. II, vol. VII. Napoli. 1912. Croce B. La filosofia di Giambattista Vico. Bari. 1965; С лёгкой руки Кроче Вико стал «подлинным» основателем эстетики как философской науки. А.Плебе рассматривал в одной главе эстетику Вико и Канта: Estetica. A cura di Armando Plebe. – In: Storia antologica dei problemi filosofici. A cura di Ugo Spirito. Firenze, 1965, vol. 5, p. 351-416. Из обширной литературы о Вико упомянем предисловие Н.Аббаньяно к избранным сочинениям Вико (La scienza nuova e Opere scelte di Giambattista Vico. A cura di Nicola Abbagnano. Torino, 1952), статью К.Лёвита (Lowith K. Vicos Grundsatz: verum und factum convertuntur: seine theologische Pramisse und deren sakulare Konsequenzen. Heidelberg. 1968), юбилейный сборник Vico nel terzo centenario della nascita, Napoli, 1971, подготовленный А. Баттистини сборник Vico oggi, Roma, 1979 и фундаментальную работу Карла Отто Апеля Apel K.O. L`idea di lingua nella tradizione dell`umanesimo da Dante a Vico. Bologna, 1975 (I-е изд. – Бонн, 1963). См. также: Papini M. Arbor humanae linguae. L`etimologico di Vico come chiave ermeneutica di storia del mondo. Bologna. 1984. Из работ отечественных авторов отметим  предисловие М.А.Лифшица к первому русскому изданию «Новой науки» (Вико Дж. Основания новой науки об общей природе наций. Перевод и комментарии А.А.Губера, Л. 1940. С. III-XXVI.; книгу М.А.Кисселя: Джамбаттиста Вико. М., 1980; главу об итальянской эстетике А.Г.Погоняйло: Итальянская эстетика XVII – первой половины XVIII в. //Лекции по истории эстетики. Под ред. М.С.Кагана. Кн.1, Лекция 10. Л. 1973; его же статьи: Место искусства в исторической культурологии Дж.Вико. Искусство в системе культуры. Составитель и отв. редактор М.С.Каган. Л. 1987. С. 223-229; Евтифроново вдохновение  ("Кратил"  и  "Новая   наука") //AKADHMEIA. Материалы и исследования по  истории  платонизма. СПб., 1997. С.134-161; главу о Вико в: Погоняйло А.Г. Философия заводной игрушки, или Апология механицизма. СПб., 1998. С. 122-156.

2 Ibid. P.52.

3 Это новое – новоевропейское – понимание «абстракции». Традиционно абстрагирование – это отделение формы вещи от её  материи, производимое активным интеллектом.

4 Vico G. Opere. P. 53-55.

5 «Людям доступна наука только о тех вещах, чье порождение зависит от их воли. Поэтому доказуемы теоремы о количестве, наука о которых называется геометрией. Причины свойств отдельных геометрических фигур заключены в тех линиях, которые мы проводим сами, и порождение фигур зависит от нашего произвола; так что, для того чтобы узнать свойства какой-нибудь фигуры, нам достаточно рассмотреть всё то, что содержится в конструкции, которую мы выстраиваем, когда рисуем её».

6 Ibid. P.70. Вико говорит, что метафизическая точка «зенонистов», — это «образец, по которому человеческий ум может мыслить неделимое протяженным и потенцию как движение».

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