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Deutschen Literatur in der Epoche der Aufklärung

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Grundcharakter Der Sturm und Drang war seinem Wesen nach eine Protestbewegung und zugleich eine Jugendbewegung. Der Protest richtete sich gegen dreierlei: die absolutistische Obrigkeiten in den deutschen Staaten sowie die höfische Welt des Adels, das bürgerliche Berufsleben, das man für eng und freudlos hielt...

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2015-09-14

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bezeichnet eine Strömung der deutschen Literatur in der Epoche der Aufklärung, die etwa von 1767 bis 1785 hauptsächlich von jungen, etwa 20- bis 30jährigen Autoren getragen wurde.

Die Benennung erfolgte in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts nach dem Drama Sturm und Drang des deutschen Dichters Friedrich Maximilian Klinger. Wegen „der Verherrlichung des ‚Originalgenies‘ als Urbild des höheren Menschen und Künstlers“ (Gero von Wilpert) [1] wird diese Strömung auch als „Geniezeit“ bezeichnet.

"Sturm und Drang" - dies war ursprünglich der Titel eines Dramas von Friedrich Maximilian Klinger (1752-1831); nach diesem Werk wurde die ganze Epoche genannt.

Grundcharakter

Der Sturm und Drang war seinem Wesen nach eine Protestbewegung und zugleich eine Jugendbewegung. Der Protest richtete sich gegen dreierlei:

  •  die absolutistische Obrigkeiten in den deutschen Staaten sowie die höfische Welt des Adels,
  •  das bürgerliche Berufsleben, das man für eng und freudlos hielt, ebenso wie die bürgerlichen Moralvorstellungen,
  •  die überkommene Tradition in Kunst und Literatur.

In dem ersten Punkt stimmte man mit den Aufklärern überein, in dem zweiten Punkt stand man in Widerspruch zu ihnen, und was den dritten Punkt anging, so war man radikaler als die Aufklärer. Bei allen politischen Ideen war der Sturm und Drang in erster Linie eine literarische Strömung.

Der literarische Protest

Inhalte

Als Ideal galt nicht der Dichter, der hochgebildet war und in jeder Gattung schreiben konnte bzw. der seine moralischen Lehren zum Ausdruck brachte (poeta doctus). Gepriesen wurde vielmehr das Genie, das sich seine Regeln und Gesetze selbst schafft. Im Genie äußerte sich nach der Vorstellung des Sturm und Drang die schöpferische Kraft der Natur. Die Natur wurde zum Inbegriff des Ursprünglichen, Elementaren, Göttlichen und war nicht mehr das vernünftig Geordnete wie in der Aufklärung.

Als wahrer Mensch wurde der "Kraftkerl", der Selbsthelfer angesehen, bei dem Denken und Handeln eine Einheit bilden, der Herr über seine geistigen, seelischen und körperlichen Kräfte ist, der sich selbst treu bleibt und sich nicht scheut, gegen eine ganze Welt anzutreten - selbst um den Preis des Untergangs.

Das Gefühl, das eigene Ich wurde Gegenstand der Betrachtung; die Subjektivität des Menschen sollte sich ausleben und in der Kunst ausdrücken.

Formen

Es ist verständlich, dass solch radikale Gedanken schlecht zu den traditionellen Formen passten. Man verurteilte daher die künstlerische Konvention, die Regelpoetiken des Barock und der Aufklärung.

Im Drama konnten die Ideen des Sturm und Drang am besten Gestalt werden. Als Hauptpersonen finden wir in ihnen Genies, Liebende, "Kraftkerle", die kompromisslos gegen die Wirklichkeit anrennen. Die Vorschriften der Regelpoetiken über die Einheit von Ort, Zeit und Handlung, über die klare Trennung von Tragödie und Komödie, über den Aufbau eines Dramas werden über den Haufen geworfen. Man folgte stattdessen dem Vorbild Shakespeares, den schon Lessing gepriesen hatte. Man übernahm die markanten Charaktere, die turbulente Handlung, die Mischung von tragischen und komischen Elementen in ein und demselben Stück, den häufigen Wechsel von Ort und Zeit, die Massenszenen.

Zum Schlüsselroman des Sturm und Drang und zum einzigen großen Erfolg wurde Goethes "Die Leiden des jungen Werthers", ein "Kultbuch" des 18. Jh., das nicht nur eine Modewelle verursachte, sondern sogar als Nachahmungstaten einige Selbstmorde auslöste. In diesem Roman wird nicht ein junger Mann zu moralischen Einsichten geführt wie im Roman der Aufklärung (s. Wieland). Held des Romans ist vielmehr ein junger Mann, der eine Frau liebt, Lotte, die "so gut als verlobt" ist. Statt zu handeln, verliert sich Werther im Schauen und Schwärmen. Dadurch erreicht er nicht sein Ziel und begeht Selbstmord. Sein Suizid ist somit eine Flucht vor der Unerträglichkeit seines in seinem eigenen Charakter begründeten passiven Daseins.

Auf dem Gebiet der Lyrik markiert ebenfalls das Werk des jungen Goethe einen entscheidenden Wandel.

Goethes frühe Jugendlyrik war noch dem Rokoko verhaftet. Rokokolyrik ist die Fortsetzung der Liebesdichtung des mittleren Stils (s. Barock). Die Liebe wird als scherzhaft erotisches Spiel dargestellt, in antikem Gewand, mit der Natur als Szenerie oder mitspielendem Partner.

Um 1770 beginnt Goethe Gedichte einer neuen Art zu schreiben, die so genannte "Erlebnislyrik". Den Gedichten liegen persönliche Erlebnisse zu Grunde, die im Gedicht zu allgemeinen Aussagen erweitert werden. Dazu greift Goethe aber nicht mehr auf die traditionelle Liebeslyrik zurück, sondern sucht zu seiner Aussage die ihr angemessene, individuelle Form und Sprache. Die Liebe teilt sich nicht in ernste-seelische oder scherzhafte-sinnliche Elemente auf wie bei der traditionellen Liebesdichtung, sie wird vielmehr als etwas Totales verstanden, umfasst Sinne und Seele. Sie ist ein persönliches Erlebnis und eine überpersönliche Macht zugleich. Die Liebe, Natur, das Göttliche und der Mensch bilden in diesen Gedichten eine unlösbare Einheit, einen letztlich harmonischen Kosmos, der Liebesglück wie Liebesleid gleichermaßen umschließt, dem einzelnen Geborgenheit bietet und die Quelle allen Lebens und Schaffens ist.

Die Goethesche Art der Erlebnislyrik prägt die deutsche Natur- und Liebeslyrik bis weit ins 19. Jh. hinein und bestimmt noch heutzutage das landläufige Verständnis von Lyrik (Lyrik ist Ausdruck von Gefühlen).

Anfänge

Doch bereits in Gotthold Ephraim Lessings Werk Minna von Barnhelm von 1767 zeigte sich, dass dieses Reglement für eine den Umständen angemessene sozialkritische Literatur zu eng gefasst war. Mit dieser Demonstration gegen die rein verstandesmäßige Haltung der Aufklärung war der Grundstein für die Überwindung der Vernunftherrschaft und eine Entfesslung des Gefühlsüberschwangs, der Fantasie und der Gemütskräfte als neue dichterische Grundhaltung gelegt.

Diese erneuernde Bewegung, die wie ein Ruck durch die deutschsprachige Literatur ging, war in ihrem bürgerlich-jugendlichen Charakter von einem hohen Idealismus gekennzeichnet: Fülle des Herzens und Freiheit des Gefühls, Ahnung und Trieb, emotio statt ratio . Das Aufbegehren der Jugend hatte nun sein literarisches Äquivalent gefunden, eine neue Generation deutschsprachiger Schriftsteller fand in den Thesen Johann Gottfried Herdersden Widerhall ihrer Erfahrungen und Gefühlswelt.

Herder, der zu einem Wegbereiter des Sturm und Drang wurde, kritisierte die Arroganz der Aufklärung gegenüber dem einfachen Volk und forderte dazu auf, auch Volkslied und -dichtung als Kunst anzuerkennen. Auch Heinrich Wilhelm von Gerstenbergs Ugolino (1768) kann man in die Frühphase des Sturm und Drang einordnen.

 Autoren und Werke

Die Autoren des Sturm und Drang kamen hauptsächlich aus dem Mittel- und Kleinbürgertum. Sie suchten ihre literarische Tätigkeit finanziell unter anderem durch Hauslehrer- oder Pfarrstellen abzusichern, da sie von der Literatur nicht leben konnten. Ihnen fehlte die breite soziale Resonanz, weshalb ihre Bewegung eher auf Bekannte und Freunde beschränkt blieb, mit denen man sich zu Männerbünden, wie dem Göttinger Hainbund, zusammenschloss. Zentren des Sturm und Drang waren Straßburg, Göttingen und Frankfurt am Main. Für viele, darunter Goethe und Schiller, betraf der Sturm und Drang nur einen begrenzten Abschnitt ihres Lebens und Schaffens. Die meisten Autoren und Werke waren nur einem kleinen interessierten Kreis bekannt und sind heute weitgehend vergessen.

Zu den bedeutendsten Vordenkern, Theoretikern, Schriftstellern und Werken gehören: 

Johann Georg Hamann (1730–1788)

  •  Sokratische Denkwürdigkeiten für die lange Weile des Publikums zusammengetragen von einem Liebhaber der langen Weile 1759
  •  Kreuzzьge des Philologen 1762

Heinrich Wilhelm von Gerstenberg (1737–1791)

  •  Gedichte eines Skalden 1766
  •  Briefe über Merkwürdigkeiten der Literatur 1766/67
  •  Ugolino 1768

Christian Friedrich Daniel Schubart (1739–1794)

  •  Freiheitslied eines Kolonisten 1775
  •  Die Fьrstengruft 1780

Johann Gottfried Herder (1744–1803)

  •  Fragmente über die neuere deutsche Literatur 1767/68
  •  Kritische Wälder oder Betrachtungen, die Wissenschaft und Kunst des Schönen betreffend, nach Maßgabe neuerer Schriften 1769
  •  Journal meiner Reise im Jahre 1769
  •  Abhandlung über den Ursprung der Sprache 1770
  •  Von deutscher Art und Kunst, einige fliegende Blätter 1773
  •  Volkslieder 1778/79
  •  Vom Geist der Hebräischen Poesie 1782/83
  •  Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit 1784-91

Gottfried August Brger (1747–1794)

  •  Lenore 1773
  •  Der Bauer an seinen durchlauchtigen Tyrannen, 1774
  •  verschiedene Gedichte 1778
  •  Wunderbare Reisen zu Wasser und zu Lande, Feldzьge und lustige Abenteuer des Freiherrn von Mьnchhausen: wie er dieselben bei der Flasche im Zirkel seiner Freunde selbst zu erzдhlen pflegt, 1786 (erw. Ausgabe 1789)

Heinrich Leopold Wagner (1747-1779)

  •  Die Kindermrderin 1776 (Drama)

Jakob Michael Reinhold Lenz (1751–1792)

  •  Anmerkung über das Theater nebst angehängtem übersetzten Stück Shakespeares 1774
  •  Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung 1774 (Drama)
  •  Lustspiele nach dem Plautus fürs deutsche Theater 1774
  •  Die Soldaten 1776 (Drama)
  •  Der neue Menoza (Drama)

Friedrich Maximilian Klinger (1752–1831)

  •  Das leidende Weib 1775
  •  Sturm und Drang 1776 (Drama)
  •  Die Zwillinge 1776 (Drama)
  •  Simsone Grisaldo 1776
  •  Das letzte Gebet 1777

Friedrich Schiller (1759–1805)

Die Ruber

  •  Die Ruber 1781 (Drama)
  •  Die Verschwörung des Fiesco zu Genua 1783 (Drama)
  •  Kabale und Liebe 1784 (Drama)
  •  Don Karlos 1783–1787 (Drama)

Johann Wolfgang Goethe (1749–1832)

  •  Mailied 1771
  •  Zum Shakespeares Tag (Rede) 1771
  •  Sesenheimer Lieder 1770/71
  •  Willkommen und Abschied 1771
  •  Von deutscher Baukunst 1773
  •  Prometheus 1772-1774
  •  Ganymed (Ode) 1774
  •  Gtz von Berlichingen (Drama) 1773
  •  Clavigo 1774
  •  Die Leiden des jungen Werthers (Roman) 1774
  •  Mahomets Gesang 1774
  •  Adler und Taube 1774
  •  An Schwager Kronos 1774
  •  Gedichte der Straßburger und Frankfurter Zeit 1775
  •  Stella. Ein Schauspiel für Liebende 1776

Johann Wolfgang von Goethe, Ölgemälde von Joseph Karl Stieler, 1828 (es handelt sich, wie der Dichter selbst anmerkte, um eine idealisierende Darstellung) 

Johann Wolfgang von Goethe, geadelt 1782 (* 28. August 1749 in Frankfurt am Main; † 22. März 1832 in Weimar; auch Göthe), war ein deutscher Dichter. Er forschte und publizierte außerdem auf verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebieten. Ab 1776 bekleidete er am Hof von Weimar wechselnde politische und administrative Ämter.

Goethes literarische Produktion umfasst Gedichte, Dramen, erzählende Werke (in Vers und Prosa), autobiografische, ästhetische, kunst- und literaturtheoretische sowie naturwissenschaftliche Schriften. Auch sein umfangreicher Briefwechsel ist von großer literarischer Bedeutung. Goethe war ein Vorreiter und der wichtigste Vertreter des Sturm und Drang. Sein Roman Die Leiden des jungen Werther machte ihn 1774 in ganz Europa berühmt. Später wandte er sich inhaltlich und formal den Idealen der Antike zu und wurde ab den 1790-er Jahren, gemeinsam mit Friedrich Schiller und im Austausch mit diesem, zum wichtigsten Vertreter der Weimarer Klassik. Im Alter galt Goethe auch im Ausland als Repräsentant des geistigen Deutschland.

Während die Wertschätzung Goethes nach seinem Tode zunächst abnahm, wurde er im Deutschen Kaiserreich ab 1871 „zum Kronzeugen der nationalen Identität der Deutschen“.[2] Auch die Weimarer Republik berief sich auf den „Geist von Weimar“. Bis heute gilt Goethe als bedeutendster deutscher Dichter, sein Werk wird zu den Höhepunkten der Weltliteratur gezählt.

Leben

Herkunft und Jugend

Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen Goethe-Haus am Frankfurter Großen Hirschgraben geboren. Der Vater Johann Caspar Goethe (1710–1782) war Jurist, übte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Erträgen seines Vermögens, das später auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwänge ermöglichen sollte.[3] Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie führte.

Goethes Mutter, Catharina Elisabeth Goethe, geb. Textor (1731–1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als Schultheiß der erste Mann am Ort. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jährigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch vier weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig jüngere Schwester Cornelia das Kindesalter überlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhältnis.

Die Geschwister erhielten eine aufwändige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine öffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u.a. Französisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Fächer, Religion und Zeichnen. Außerdem lernte er Cello und Klavier spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

Schon früh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektüre in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Großmutter ein Puppentheater geschenkt. Für diese Bühne schrieb er seine ersten Stücke und führte sie mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besaß eine Bibliothek von rund 2.000 Bänden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das Volksbuch vom Dr. Faust kennen. Im Zuge des Siebenjährigen Krieges war von 1759 bis 1761 ein hochgebildeter französischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der französischen Dramenliteratur.

Zeit des Sturm und Drang

Zurück in Frankfurt, eröffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach Weimar bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ‚Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand‘ zu Papier. Nach einer Überarbeitung wurde das Drama 1773 als Götz von Berlichingen im Selbstverlag veröffentlicht. Das mit allen überlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gründungsdokument des Sturm und Drang.[5]

Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des Götz - schrieb Goethe sich, wiederum auf Drängen des Vaters, als Praktikant beim Reichskammergericht in Wetzlar ein. Sein dortiger Kollege Johann Christian Kestner beschrieb den damaligen Goethe: „Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz außerordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Äußerlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen könnte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefällt, ohne sich darum zu kümmern, ob es anderen gefällt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhaЯt  

Die Leiden des jungen Werthers, Erstdruck von 1774 (bei einer späteren Überarbeitung entfiel das Genitiv-s)

Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thüringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre, nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhütte „Goethehäuschen“ auf dem Kickelhahn bei Ilmenau sein bekanntes Gedicht „Wandrers Nachtlied“ („Über allen Gipfeln ist Ruh’…“) geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstätte 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. Tief bewegt las er, laut für sich wiederholend, die letzten Zeilen seiner Gedichtinschrift: „Warte nur, balde ruhest du auch.“

Tod   Am 22. März 1832 starb Goethe, vermutlich an einem Herzinfarkt.[19] Dass seine letzten Worte gelautet haben sollen: „Mehr Licht!“, ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt Carl Vogel zurück, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt. Goethe wurde am 26. März in der Weimarer Fürstengruft bestattet.

Der Begriff  (frz. „Wiedergeburt“, spr. ʀənɛˈsɑ̃s) wurde im 19. Jh. – vom italienischen rinascimento = Wiedergeburt ausgehend – geprägt, um das kulturelle Aufleben der griechischen und römischen Antike im Europa des 14.-17. Jhdts. zu kennzeichnen. Wissenschaft, Kunstund Gesellschaft zeigen seitdem eine Entwicklung des Menschen zu individueller Freiheit im Gegensatz zum Ständewesen des Mittelalters. Im engeren Sinne ist die Renaissance auch eine kunstgeschichtliche Epoche.

Der vitruvianische Mensch, Proportionsstudie nachVitruv von Leonardo da Vinci (1492)

Allgemein wird der Begriff Renaissance auch verwendet, um die Wiedergeburt der Werte, Bauwerke usw. eines vergangenen Zeitalters oder einer Werteordnung zu bezeichnen.

Zeitliche Einordnung

Die Anfänge der Renaissanceepoche werden im späten 14. Jahrhundert in Italien gesehen; als Kernzeitraum gilt das 15. und 16. Jahrhundert. Gegenüber dem älteren wissenschaftlichen Modell einer Initialbewegung in Italien und der unaufhaltsamen nachfolgenden Ausbreitung über Europa geht man heute in den Kulturwissenschaften immer mehr von einer mehrsträngigen und vernetzten Situation wechselseitiger Einflüsse aus.[1] [2]

Der Renaissance voraus ging die kulturgeschichtliche Epoche der Gotik, der Renaissance folgte der Barock.

Üblicherweise teilt man die kunstgeschichtliche Epoche der Renaissance, vor allem die italienische Renaissance, in drei Perioden ein:

  1.  Frhrenaissance
  2.  Hochrenaissance
  3.  Spдtrenaissance oder Manierismus

Leonardo da Vinci - Abendmahl (1495-1498)

Etymologie

Erstmals wurde der Begriff (ital. rinascita oder Rinascimento [riˌnaʃːiˈmento] = Wiedergeburt) 1550 von dem italienischen Künstler und Künstlerbiographen Giorgio Vasari verwendet, um die Überwindung der mittelalterlichen Kunst zu bezeichnen. Vasari unterscheidet in der Entwicklung der Kunst drei Zeitalter:

  1.  das glanzvolle Zeitalter der griechisch-römischen Antike;
  2.  ein Zwischenzeitalter des Verfalls, das etwa mit der Epoche desMittelalters gleichgesetzt werden kann;
  3.  das Zeitalter des Wiederauflebens der Künste und der Wiedergeburt des antiken Geistes im Mittelalter seit etwa 1250.

So hätten bereits die italienischen Bildhauer, Architekten und Maler der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, darunter Arnolfo di Cambio, Niccolò Pisano, Cimabue oder Giotto, „in dunkelsten Zeiten den Meistern, die nach ihnen kamen, den Weg gewiesen, der zur Vollkommenheit führt“.

Um 1820/30 wurde er in der heute geläufigen Schreibweise aus dem Italienischen ins Französische übernommen, bis etwa 1840 im deutschsprachigen Schrifttum eine Entlehnung aus dem Französischen erfolgte, um eine kulturgeschichtliche Epoche Europas während des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit zu benennen. Der Begriff wurde maßgebend vom Basler Historiker Jacob Burckhardt mit seinem Werk „Die Kultur der Renaissance in Italien“ geprägt.

Ursprünge der Renaissance

Es gibt verschiedene Theorien, warum sich die Renaissance im Italien des ausgehenden Mittelalters entwickelt hat:

Assimilation des griechischen und arabischen Wissens

Das Wissen und die Ideen der Antike, die im Europa des Früh- und Hochmittelalters vergessen wurden, waren in Klosterbibliotheken, im arabischen Kulturkreis und Byzanz bewahrt worden. Wissenschaftler wie Gianfrancesco Poggio Bracciolini oder Niccolo Niccoli durchsuchten die Bibliotheken nach Werken klassischer Autoren wie Platon, Cicero und Vitruv. Außerdem fiel während der fortschreitenden Reconquista auf der Iberischen Halbinsel den christlichen Eroberern eine Vielzahl an Werken griechischer und arabischer Autoren in die Hände. Alleine die Bibliothek von Cordoba soll 400.000 Bücher umfasst haben.[4]

Der Niedergang des Byzantinischen Reichs nach dem Vierten Kreuzzug bis zur Eroberung Konstantinopels durch die Türken führte dazu, dass griechische Gelehrte nach Italien kamen, die das Wissen über die Kultur der griechischen Antike mitbrachten, welches im Byzantinischen Reich nach dem Untergang Westroms nahezu 1000 Jahre lang konserviert worden war. Bereits einige Jahre vor dem Ende des Oströmischen, also Byzantinischen (griechischen) Reiches war der Italiener Giovanni Aurispa nach Konstantinopel gegangen und hatte 1423 von dort über 200 Codizes mit Texten antiker profaner Literatur nach Italien gebracht.[5]

Soziale und politische Strukturen

Auch die sozialen und politischen Zustände im Italien des ausgehenden Mittelalters trugen zu den Umbrüchen bei.

Italien existierte nicht als politische Einheit, sondern war in kleinere Stadtstaaten und Territorien aufgeteilt. Im 15. Jahrhundert war es eine der am stärksten urbanisierten Gegenden Europas. Die Städte waren Republiken (aus heutiger Sicht Oligarchien) und boten relative politische Freiheit, die sich in wissenschaftlichen und künstlerischen Fortschritten widerspiegelte. 

In Italien war die Erinnerung an die Antike noch am lebendigsten.[7] Es war durch die Verbindungswege des Mittelmeerraums nach allen Seiten erschlossen. Die Handelszentren der Städte brachten es in Kontakt mit entfernten Gegenden, vor allem mit der Levante (siehe:Wirtschaftsgeschichte der Republik Venedig). Der Wohlstand, der durch den Handel entstand, machte es möglich, große öffentliche und private Kunstprojekte in Auftrag zu geben. Außerdem konnte mehr Zeit für Bildung aufgewendet werden.[8]

Der Schwarze Tod

Eine weitere Theorie macht den Schwarzen Tod und die daraus resultierende Änderung der Weltanschauung im 14. Jahrhundert für die Renaissance verantwortlich. Er führte zu einer Konzentration auf das Irdische statt auf Spiritualität und Jenseits. Außerdem wurden religiöse Kunstwerke finanziert. Dies alles erklärt jedoch nicht, warum die Renaissance in Italien begann, da es sich um eine Pandemie handelte, die überall in Europa wütete und nicht nur in Italien. Vermutlich muss die Renaissance als komplexes Zusammenspiel aller Faktoren gesehen werden.

Selbstverständnis

Das wesentliche Charakteristikum ist die Wiedergeburt des antiken Geistes. Der Humanismus ist die wesentliche Geistesbewegung der Zeit. Vorreiter waren italienische Dichter des 14. Jahrhunderts wie Francesco Petrarca, der durch seine ausgiebige Beschäftigung mit antiken Schriftstellern und durch seinen Individualismus den Glauben an den Wert humanistischer Bildung förderte und das Studium der Sprachen, derLiteratur, der Geschichte und Philosophie außerhalb eines religiösen Zusammenhangs als Selbstzweck befürwortete. Das theozentrische Weltbild des Mittelalters wurde abgelöst durch eine stärker anthropozentrische Sicht der Dinge.

Diese „Wiedergeburt“ manifestierte sich darin, dass zahlreiche Elemente des Gedankenguts der Antike neu entdeckt und belebt wurden (Schriften,Baudenkmäler, Skulpturen, Philosophen, etc.). Dies wird insbesondere in den Künsten und ihren neuen, als fortschrittlich empfundenen Prinzipien deutlich, in denen die mystisch-geistig orientierte Formensprache des Mittelalters von weltlicher, mathematisch-wissenschaftlicher Klarheit abgelöst wurde. Als beispielhaft für die neue Weltsicht kann die Proportionsstudie von Leonardo da Vinci betrachtet werden. In ihr wird der Mensch in seiner körperlichen Beschaffenheit in das Zentrum gesetzt und zum Maßstab für ein neues Ordnungssystem gemacht. Man kann die Renaissance damit als Beginn der neuzeitlichen anthropozentrischen Weltsicht begreifen.

Philosophie

Seite mit Holzschnittbordüre aus dem ersten Band des neunbändigen Gesamtwerkes über die Schriften des Hl. Hieronymus (ca. 350–420), das bei Johannes Froben (1460–1527) in Basel vom 13. Januar bis 25. August 1516 gedruckt wurde. Wesentlich mitgearbeitet hat an der Ausgabe Erasmus von Rotterdam. Original im Besitz von Henryart siehe Hauptartikel: Philosophie der Renaissance und des Humanismus

Die Philosophie der Renaissance wendet sich vom scholastisch vorchristlich aristotelischen Denken ab und ist vor allem dem Platonismus verpflichtet. Sämtliche Schriften Platons wurden ins Lateinische übersetzt. Viele Denker der Renaissance hängen dem Neuplatonismus an, der durch Georgios Gemistos Plethon, Marsilio Ficino und Giovanni Pico della Mirandola verbreitet wird. Eine weit verbreitete Geisteshaltung unter Gelehrten der Renaissance war der Humanismus.

  •  Coluccio Salutati (1331-1406)
  •  Nicolaus Cusanus (1401-1464)
  •  Erasmus von Rotterdam (1466–1536)
  •  Niccol Machiavelli (1469–1527)
  •  Thomas Morus (1478–1535)
  •  Franois Rabelais (1494-1553)
  •  Polydore Vergil (1470-1555)

Bildende Kunst

Leonardo da Vinci, Dame mit Hermelin. Im Besitz des Czartoryski-Museum in Krakau

In der Kunst waren Brunelleschi, Ghiberti und Donatello die Bahnbrecher der neuen Richtung, die schon in der Protorenaissance des 13. und 14. Jahrhunderts mit Nicola Pisano, Giotto di Bondone und anderen Künstlern ihre Vorläufer gehabt hatten.

Zur Nachahmung der antiken Kunst gesellte sich im 15. Jahrhundert die intensivere Beschäftigung mit der Natur, die einen wichtigen Aspekt in der Entwicklungsgeschichte der Renaissancekunst darstellt. Schon vor Vasari hatten Dichter wie Giovanni Boccaccio den Maler Giotto dafür gerühmt, dass er die Dinge so naturgetreu wie niemand vor ihm abzubilden verstand. Die Tendenz, Gegenstände und Personen der Natur gemäß zu gestalten, war seitdem ein Hauptanliegen der Künstler. In nahezu perfekter Ausprägung gelang ihnen eine solche naturalistische Darstellungsweise allerdings erst seit dem 15. Jahrhundert. Daher beschränken Kunsthistoriker den Renaissancebegriff meist nur auf die Kunstäußerungen des 15. Jahrhunderts, des Quattrocento, und auf die des 16. Jahrhunderts, des Cinquecento.

Eng mit der Forderung nach der Naturwahrheit in der Kunst hängt das Bekenntnis der Künstler zur Antike zusammen. Man bewunderte die antiken Kunstwerke als mustergültige Beispiele naturgemäßer Gestaltung und damit als nachzuahmende Beispiele dafür, wie man selbst die Natur darzustellen hatte. Der italienische Architekturtheoretiker Leon Battista Alberti forderte darüber hinaus, dass sich die Künstler darum bemühen sollten, „den antiken Meistern nicht nur gleichzukommen, sondern sie womöglich noch zu übertreffen“. Das heißt: Gute Kunst sollte das, was einem die Realität bietet, nicht getreu abbilden, sondern versuchen, das Naturvorbild zu verbessern und zu idealisieren.

Neben der Neubestimmung des Verhältnisses der Kunst zur Natur und der Verehrung der Antike stellte die Renaissance also auch die Frage nach dem Wesen der Schönheit. Die Künstler versuchen z. B., den idealschönen Menschen darzustellen. Ideale Maße und Proportionen spielen sowohl bei der Darstellung des menschlichen Körpers in der Malerei und Skulptur als auch bei der Konzipierung von Gebäuden eine Rolle. Die Künstler entwickeln mit der Zentralperspektive eine Methode, mit mathematischer Exaktheit Verkürzungen in der Raumtiefe darzustellen.

Die Frührenaissance nimmt ihren Ausgangspunkt in Florenz mit den Skulpturen Donatellos, den Bronzereliefs Ghibertis, den Fresken Masacciosund den Bauten Filippo Brunelleschis.

Die Zeit von ca. 1490/1500 bis 1520 bezeichnet man als Hochrenaissance. Zentrum dieser Periode, die sich durch das Streben nach höchster Vollkommenheit und Harmonie in der Kunst auszeichnet, ist das päpstliche Rom. In diese Zeit fallen Bramantes Zentralbau-Entwürfe für die neuePeterskirche in Rom, Leonardo da Vincis berühmteste Bilder („Das Abendmahl“; „Mona Lisa“, „Dame mit Hermelin“), Raffaels Ausmalung der „Stanzen“ und sein berühmtestes Altarbild, die „Sixtinische Madonna“, Michelangelos Skulpturen („David“, „Moses“) und seine Fresken an der Decke der Sixtinischen Kapelle sowie Dürers Meisterstiche.

Es folgt die etwa bis 1590 reichende Periode der Spätrenaissance oder Manierismus, die durch unterschiedliche künstlerische Tendenzen gekennzeichnet ist. So neigt der Manierismus zu Übertreibungen des Formenrepertoires der Hochrenaissance (z. B. übertriebene Raumfluchten, überlange und verdreht dargestellte menschliche Körper in heftiger Bewegung). Ein Merkmal des Manierismus ist z. B. die Figura serpentinata, wie sie der Bildhauer Giovanni da Bologna in seinem „Raub der Sabinerin“ (1583) dargestellt hat. Menschliche Gestalten werden dabei als sich schlangenartig nach oben windende Körper wiedergegeben. Die letzte Phase der Spätrenaissance geht dann allmählich in den Barock über.

Doch nicht überall in Europa läuft die Epoche der Renaissance nach einem identischen Muster ab. Während in Italien der Geist der Renaissance am frühesten einsetzte, besonders blühte und gleichermaßen Einfluss auf die Malerei, Bildhauerei und Architektur nahm, begann im Norden die Renaissance erst um oder nach 1500 und konnte sich hier nur bedingt und mit nationalem Einschlag durchsetzen. Auch sind in den Ländern außerhalb Italiens die Architektur und Bildhauerkunst stärker als die Malerei von der Antike beeinflusst worden. In Frankreich und Deutschlandvermischte sich der antike Stil mit nationalen Elementen, welche in der ersten Epoche der Renaissance, der Frührenaissance, naturgemäß stärker hervortraten als in der Periode der Spätrenaissance, welche die antiken Formen üppiger und kräftiger ausbildete und so zu den Übertreibungen des Barockstils überleitete. Eine nationale Färbung hat die Renaissance auch in den Niederlanden, in Polen, in England und in Spanien erfahren.

Malerei

siehe Hauptartikel:Malerei der Renaissance

Die Mehrzahl der Gemälde der Renaissancekunst sind Altarbilder und Fresken religiösen Inhalts, die für Kirchen gemalt wurden. Die religiöse Gestalt wurde jedoch vermenschlicht, indem sie in einer irdischen Umgebung dargestellt wurde (Alltagskleidung). Außerdem entstanden Bilder mit weltlichen oder heidnisch-mythologischen Themen (z. B. Allegorien, antike Götter- und Heldensagen, antike Geschichte) und individuelle Bildnissezeitgenössischer Persönlichkeiten. Daneben entwickelten sich erste Landschaftsdarstellungen und Sittenbilder, die das zeitgenössische Leben repräsentieren. Die Landschaftsdarstellungen sollten jedoch nicht ein genaues Abbild der Wirklichkeit darstellen, vielmehr symbolisierten sie das Grundprinzip der Schönheit. Diese Schönheit wurde als Natur definiert.

Die Raumtiefe wird mit den Mitteln der Zentralperspektive, also eines Fluchtliniensystems, geometrisch genau konstruiert. Hinzu kommen die Mittel der Luft- und Farbperspektive. Um ein dreidimensional wirkendes Bild auf einer zweidimensionalen Fläche darstellen zu können, musste sich der Künstler an optische und geometrische Regeln halten. Diese legten fest, dass der Horizont waagerecht auf Augenhöhe des Betrachters liegt. Um einem Bild räumliche Tiefe zu verleihen, laufen all seine parallel zum Erdboden verlaufenden Tiefenlinien auf einen Fluchtpunkt zu, der auf der Horizontlinie liegt.

In der Renaissance wurde immer mehr Wert auf die Anatomie des Menschen gelegt. Die Künstler erforschten Muskelzüge, Bewegungen, Verkürzungen und die Körperproportion an sich. Trotz dieser genauen Studien wurde der nackte menschliche Körper, wie bereits in der Antike, alsAkt in idealisierten Proportionen dargestellt. Der Künstler sah seine Aufgabe darin, aus der Fülle der menschlichen Natur das Schöne herauszufiltern und so körperliche Vollkommenheit auszudrücken. Die Nacktheit stand symbolisch für die Unschuld, da sie als natürlich empfunden wurde und so ursprüngliche Schönheit ausdrückte. All diese Auffassungen von der menschlichen Gestalt wurden wie andere Dinge aus der Antike übernommen.

Ein symmetrischer, harmonisch ausgewogener Bildaufbau, unterstützt durch innerbildliche Kreis-, Halbkreis- und Dreiecksformen, wurde in der Malerei bevorzugt.

Bildhauerei

Die Bildhauer der Renaissance schaffen vor allem Standfiguren und Bildnis-Büsten. Auf den Plätzen der Städte werden Monumentalplastiken, beispielsweise in Form von Reiterstandbildern aufgestellt. DieGrabplastik für weltliche und geistliche Würdenträger verbindet z. B. in Form eines Wandgrabmals die Skulptur mit der Architektur zu einem Gesamtkunstwerk.

Renaissancebildhauer orientieren sich bei ihrer Arbeit an antiken Vorbildern. Skulpturen werden allseitig durchmodelliert, der Mensch in seiner Nacktheit dargestellt, die Beinstellung erfolgt oft im klassischen Kontrapost. Anatomische Vorstudien dienen dazu, den menschlichen Körper wirklichkeitsgetreu wiederzugeben.

Architektur

In der Architektur der Renaissance gibt es drei Tendenzen. Die eine besteht darin, die Formensprache der Antike in klassischer Strenge wieder zu beleben. In Italien war dieses Ziel mit der Hochrenaissance durch Donato Bramante gegen 1500 erreicht und setzte sich von da an in ganz Italien durch. Italienische Renaissancebauten wurden klar, überschaubar und harmonisch ausgewogen konzipiert.

Antikische, klassizistische Renaissance

Die Architekten orientierten sich bei den Grundrissen an einfachen idealen geometrischen Formen wie dem Quadrat oder demKreis. Man entlehnt Bauelemente wie Säulen, Pilaster, Kapitelle, Dreiecksgiebel etc. direkt der (griechischen) Antike. Daneben kommt es zu eigenen, von antiken Vorbildern abgeleiteten Entwicklungen, etwa der toskanischen Säule. Die einzelnen Bauglieder hatten unter sich und mit dem ganzen Gebäude in Übereinstimmung zu stehen. Man studiert die Architektur-Traktate des römischen Baumeisters Vitruv, um daraus Anhaltspunkte für idealschöne Proportionen zu gewinnen.

Analogische Renaissance (Früh- bzw. nordische Renaissance)

Die zweite Tendenz besteht darin, der Antike entlehnte, aber auch neue formensprachliche Elemente wie in der mittelalterlichen Baukunst in analogischer Weise zu variieren, ohne eine streng gesetzmäßige Baukunst anzustreben. Wichtiger als die klassische Regel ist der inhaltliche Aspekt der antikisierenden Motive, die hohes soziales Prestige, aber auch antikes Ethos vermitteln.

Die Nachahmung antiker Bauelemente wie Gebälke, Kapitelle oder Profile geschieht nicht in voller Strenge, sondern gemäß der mittelalterlichen Baupraxis nur imitatorisch-variierend. Teilweise stammen die Vorlagen aus der der Antike ähnlichen romanischen Architektur. Beispiel: Der Turm der Heilbronner Kilianskirche ab 1513. Häufig sind reiche Ornamentierungen durch Maßwerk, Arabesken, später durch Rollwerk, Beschlagwerk,Schweifwerk u. a. Die Vertikale in der Tradition der Gotik ist nach wie vor stark betont. Die Werkmeister sind in der Regel keine Intellektuellen wie in Italien, sondern oft der Tradition mittelalterlicher Handwerksbetriebe verpflichtet. Die Grundrisse und Fassaden sind oft asymmetrisch.

Renaissancegotik oder auch Nachgotik

siehe auch Hauptartikel: Nachgotik

Die dritte Tendenz ist die Weiterverwendung gotischer Motive, die im Gegensatz zu den antiken Formen als modern empfunden werden und gerne zur Kennzeichnung von Kirchengebäuden verwendet werden.[9] Ein Beispiel ist die Kirche St. Mariä Himmelfahrt (Köln)[10] .[11]

Auf der Seite der Architekturtheorie findet sich erstere Tendenz im Architekturtraktat wieder, letztere im Musterbuch. Generell kann gesagt werden, dass je stärker eine Kultur das Mittelalter nicht als Kulturverfall und im Gegensatz zur Antike empfand, desto mehr wurde die zweite und dritte Tendenz bevorzugt. Das gilt vor allem im mittel- und im nordeuropäischen Raum, wo die Baukunst der Nordischen Renaissance völlig andere Formen erreichte.

In Frankreich war die klassische antikisierende Strenge der Hochrenaissance gegen 1550 eingeholt (vgl. Westflügel des Louvre 1550–1558 durchPierre Lescot), daneben gab es noch zahlreiche Kirchenbaustellen, auf denen noch mit gotischen Motiven gebaut wurde. Auf der iberischen Halbinsel bilden beide Tendenzen ein Nebeneinander, das sich bis in die Barockzeit fortsetzt. Im germanischen Europa und Polen kam es teilweise zu einer Vermischung beider Tendenzen (z. B. Heidelberger Schloss oder das Wawel-Schloss in Krakau), jedoch blieb die analogische Form der Renaissance bis zum Schluss dominant.

Wichtige Renaissancekьnstler

  •  Lucas Cranach der ltere (1472–1553)
  •  Fra Bartolommeo (1474–1517)
  •  Michelangelo Buonarroti (1475–1564)
  •  Tiziano Vecellio (14?–1576)
  •  Giorgione (ca. 1477–1510)
  •  Hans Burgkmair der ltere (1473 - 1531)
  •  Albrecht Altdorfer (1480–1538)
  •  Raffael (1483–1520)
  •  Antonio da Sangallo (1485–1546)
  •  Andrea del Sarto (1486–1531)
  •  Jacopo Sansovino (1486–1570)
  •  Correggio (1489–1534)
  •  Lucas van Leyden (1494–1533)
  •  Hans Holbein der Jüngere (ca. 1497–1543)
  •  Benvenuto Cellini (1500-1571)
  •  Heinrich Aldegrever (1502–1555/61)
  •  Parmigianino (1503–1540)
  •  Lucas Cranach der Jngere (1515–1586)
  •  Jacopo Tintoretto (1518–1594)
  •  Pieter Bruegel der Ältere (ca. 1525–1569)
  •  Sofonisba Anguissola (1531/32-1625)
  •  Filippo Brunelleschi (1377-1446)
  •  Lorenzo Ghiberti (1381–1455)
  •  Francesco Ubertini (genannt Bachiacca; 1494-1557)
  •  Donatello (1386–1466)
  •  Paolo Uccello (1397–1475)
  •  Hans Multscher (ca. 1400–1467)
  •  Jan van Eyck (um 1390-1441)
  •  Masaccio (1401–1428)
  •  Leon Battista Alberti (1404–1472)
  •  Antonello da Messina (ca. 1430 - 1479)
  •  Andrea Mantegna (1431–1506)
  •  Rogier van der Weyden (1399/1400-1464)
  •  Andrea del Verrocchio (1436–1488)
  •  Israhel van Meckenem d. J. (1440/45–1503)
  •  Donato Bramante (ca. 1444–1514)
  •  Sandro Botticelli (1444/1445–1510)
  •  Giuliano da Sangallo (1445–1516)
  •  Giovanni Antonio Amadeo (1447–1522)
  •  Domenico Ghirlandaio (1449–1494)
  •  Pietro Perugino (ca. 1448–1523)
  •  Leonardo da Vinci (1452–1519)
  •  Luca Signorelli (ca. 1450–1523)
  •  Andrea Sansovino (1460–1529)
  •  Hans Holbein der Ältere (ca. 1465–1524)
  •  Albrecht Drer (1471–1528)

Dichter und Schriftsteller der Renaissance

In der Literatur leiten im 14. Jahrhundert Dante Alighieris „Göttliche Komödie“ (La Divina Commedia, 1307–1321), Francesco Petrarcas Briefe, Traktate und Gedichte und Giovanni Boccaccios Il Decamerone (1353) das Zeitalter der Renaissance ein. Graf Baldassare Castiglione beschreibt inIl Cortegiano (1528) den Idealtypus eines Renaissancemenschen.

Die Literatur nahm nach der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg in der Renaissancezeit einen ungeheuren Aufschwung.

Zu den berühmten Dichtern und Schriftstellern der Renaissance zählen:

Titelseite aus Sebastian BrantsNarrenschyff

  •  Dante Alighieri (1265–1321)
  •  Francesco Petrarca (1304–1374)
  •  Giovanni Boccaccio (1313–1375)
  •  Antoine de La Sale (um 1386–1460)
  •  Angelo Poliziano (1454–1494)
  •  Ludovico Ariosto (1474–1533)
  •  Baldassare Castiglione (1478–1529)
  •  Pietro Aretino (1492–1556)
  •  Torquato Tasso (1544–1595)
  •  Franois Rabelais (1494–1553)
  •  Sebastian Brant (1457–1521)
  •  Erasmus von Rotterdam (ca. 1466–1536)
  •  Thomas Murner (1475–1537)
  •  Philipp Melanchthon (1497–1560)
  •  Sebastian Franck (1500–1543)
  •  Andrzej Frycz Modrzewski (1503–1572)
  •  Mikołaj Rej (1505–1569)
  •  Łukasz Górnicki (1527–1603)
  •  Jan Kochanowski (1530–1584)
  •  William Shakespeare (1564–1616)

Musik

Siehe ausfьhrlichen Artikel: Renaissancemusik.

Die Musik der Renaissance war zunächst durch das Zeitalter der Franko-Flamen bestimmt, ab der Mitte des 16. Jahrhunderts kamen die wesentlichen Impulse dann aus Italien, besonders durch Komponistenströmungen wie die Florentiner Camerata, die Römische Schule und dieVenezianische Schule.

Siehe auch: Liste von Komponisten der Renaissance

Besondere Eigenschaften und Stilmittel der Renaissancemusik:

  •  Musik als Werk von (nicht mehr anonymen) Komponisten;
  •  Musik zur geselligen Unterhaltung (z. B. Liebes-, Trink- und Jahreszeitenlieder) statt alleinigen Gotteslobes;
  •  reiche Polyphonie (Mehrstimmigkeit) in der Kirchenmusik, homophon behandelte Volkslied-Melodien im weltlichen Bereich;
  •  Instrumentenbau in ganzen Familien: Blockflöten, Gamben und viele mehr (v. a. Blasinstrumente), dazu die Laute;
  •  prinzipielle Austauschbarkeit von Vokal- und Instrumentalpartien, keine feste Instrumentierung;
  •  gegenüber der mittelalterlichen Musik geändertes Harmonie-Empfinden: Terzen und Sexten werden seit der Renaissance als konsonantempfunden.


 

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